herr mautz

„herr mautz“ ist ein skurriles stück theater, eine retrospektive auf ein „verlebtes“ leben, ein reisetagebuch, eine monographie ohne lektorat.
herr mautz ist nach fernost geflohen, raus aus europa und dem alltagsgrau. gehofft hat er auf sonne, farbenpracht und nackte frauen, ein schönes erlebnis noch zum lebensabend. stattdessen findet er sich mitten in der regenzeit als durchschnittlicher alter mann in einem schäbigen hotelzimmer wieder, wo drei kakerlaken schon ungeduldig seinen tod erwarten. sie ermuntern ihn, bei der verrichtung letzter dinge einen moment seiner vergangenheit zu wählen, den er in die ewigkeit mitnehmen will.
herr mautz ergibt sich seinem schicksal, wie er das bisher immer tat. sein aufbruch in die fremde wirft ihn somit in die vertraute vergangenheit zurück. in rascher folge ziehen bilder der erinnerung an ihm vorbei: die ganz normalen traumata der kindheit, der auszug von zu hause, der beruf, die ehe, die geburt der tochter – eine planmäßig verlaufene biographie ohne nennenswerte höhen oder tiefen, leidenschaften oder katastrophen.

methodisch hatte herr mautz jährlich ein gefühl erlernt und abgehakt: abhängigkeit, angst, begierde, trauer, liebe. nichts an seinem leben war ihm störend aufgefallen, im gegenteil: eigentlich fand er die bewältigung sogar gelungen und recht angenehm. allein dass sich jetzt kein einziger ewigkeits- moment einstellen mag, ist doch ein bisschen schade…

autor: sibylle berg / rowohlt theater verlag
regie: constantin von thun
darsteller: ulrike fettien, rolf stegner, maxi warneyer, willi wittig, schnalle, oliver friedmann, elisabeth hergt, naemi simon, beate joost, marcel frédéric schuchardt